Arbeitsgemeinschaft RHYTHMIK für Hessen im

„Rhythmik und Geragogik“ mit Monika Mayr

 

Auf der Fachtagung Musikgeragogik in Münster Anfang März 2013 hatte ich das große Glück mich für einen Workshop bei Monika Mayr entschieden zu haben (www.musikgeragogik.de). Unter dem Thema „Rhythmikgeragogik“ konnte ich mir bis dato nämlich rein gar nichts vor­stellen, was – wie ich erst später erfahren sollte – nicht weiter verwunderlich ist, da es sich um ein relativ neues Wort handelt. Als Sonderpädagogin war ich unter den zahlreichen Musikern und Geragogen ohnehin ein wenig verunsichert. Inzwischen weiß ich, welche Möglichkeiten in dem Angebot „Rhythmik für Senioren“ stecken. Die Herausforderungen des Alters können mit Hilfe von Rhythmus, Musik, Stimme und diverser Materialien auf geistiger, körperlicher, emotionaler und sozialer Ebene unterstützt werden und einen wertvollen Bei­trag zu produktivem und befriedigendem Altern leisten (vgl. gleichnamiger Flyer; www.rhythmik.at). Viele Ideen zu diesem Thema konnten in dem 75minütigen Workshop zwar nur angerissen werden, es dauerte aber ohnehin nur Sekunden, meine Begeisterung für Rhythmikgeragogik zu wecken. Auf einer ganztägigen Fortbildung mit Monika Mayr, die von der Arbeitsgemeinschaft Rhythmik für Hessen am 16. März 2013 in Darmstadt angeboten wurde, durfte ich mehr über das umfangreiche Potential dieses Ansatzes lernen.

 

 

„los geht’s“ – Aus Seilen und Tüchern waren diese beiden Worte zur Begrüßung in der Mitte des Stuhlkreises geformt. Es ging in der Tat umgehend los. Mit der musikalischen Klang­dusche „Unter-Unterschenkel“ wurde der ganze Körper wachgeklopft, begleitet von dem einstimmigen Gesang aller Teilnehmer. Keiner konnte und wollte sich dem Rhythmus entzie­hen. Gleich im Anschluss war Koordination gefragt. „Zip di Zap“ war nicht nur für mich eine echte Herausforderung. Bei „zip“ hält die rechte Hand das linke Ohr und die linke Hand die Nase; bei „zep“ hält die linke Hand das rechte Ohr und die rechte Hand die Nase; bei „zup“ hält eine Hand einen Fuß fest und die andere Hand das gegenüberliegende Ohr; bei „zap“ hält eine Hand den anderen Fuß und die andere Hand das gegenüberliegende Ohr fest. Zwischendurch werden die Oberschenkel abgeklopft, danach finden die Überkreuzbewegungen im regelmäßigen Rhythmus statt und die Silben werden dazu gesprochen: „zip di zip di, zi-pi zi-pi zi-pi zi-pi“. Das Lachen aller Teilnehmer war Zeichen für den großen Spaß, den wir dabei hatten, und sollte uns den ganzen Tag begleiten. Lieder wie „Aufwachen, aufwachen, jetzt geht’s los!“ oder „Rhythmik ist ein Hit“ folgten, begleitet von Monika Mayr am Flügel oder auf der Gitarre, zum Teil von ihr selbst komponiert und improvisiert.

 

Im Mittelpunkt des Seminars stand die intergenerative Rhythmik, da generationenübergreifende Projekte die Persönlichkeitsentwicklung auf beiden Seiten fördern und wesentlich zum Erhalt der Lebensqualität der Senioren beitragen. Es gab sowohl Impulse für das Lernen mit Kindern als auch für die Arbeit mit Senioren. Namen wurden in Silben geklatscht, verschiedene Körperteile auf den Boden gedrückt, mit Igel- und sonstigen Bälle gespielt und massiert, Lieder und Berufe pantomimisch umgesetzt, Zimtdosen herumgereicht. Das feine Zusammenspiel von psychomotorischen und sensomotorischen Fähigkeiten wird in der Rhythmikgeragogik ständig gefördert und trainiert. Bewegungen, die die Senioren ggfs. nicht mehr ausführen können, machen die Kinder alleine. Im Vordergrund stehen Kontakt, Kommunikation und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Die Freude am gemeinsamen Singen, Musizieren und Tanzen schenkt den Senioren Lebensfreude und ermöglicht den Kindern soziale Erfahrungen ganz besonderer Art. Videoausschnitte zeigten die praktischen Erfahrungen von Monika Mayr mit „ihren“ Vorschulkindern und Senioren in Münster. Es war stets Zeit für Fragen, die auch umgehend fachmännisch beantwortet wurden.

 

Insgesamt war die praxisorientierte Fortbildung „Rhythmik und Geragogik“ ein voller Erfolg, sowohl fachlich als auch vom Spaßfaktor gesehen, was nicht zuletzt an dem sprühenden Enthusiasmus von Monika Mayr lag. Empfehlenswert ist ihr Werk Lebendiges Lernen durch Musik, Bewegung, Sprache (Bankl, Mayr, Witoszynskyj 2009). Die darin vorgestellten Grundlagen, Spielimpulse, Modelle und Projekte geben Einblicke in den rhythmisch-musikalischen Fachbereich und zeigen vielfältige Einsatzmöglichkeiten aus der Praxis (vgl. ebd. S. 7).

 

Die Fortbildung fand passenderweise im Senioren-Wohnpark Kranichstein in Darmstadt statt, wo wir uns persönlich davon überzeugen konnten, dass man dem Altern auch positive Seiten abgewinnen kann.  Die großzügig angelegte und geschmackvoll eingerichtete Anlage, in der wir ein warmes Mittagessen serviert bekamen, könnte anderen Alters- und Pflege­heimen durchaus als Vorbild dienen (www.wohnpark-Kranichstein.de). Gerne hätten wir Rhythmikgeragogik mit Senioren vor Ort in die Praxis umgesetzt, die Bewohner hätten mit Sicherheit genauso viel Freude daran gehabt wie wir. Vielleicht beim nächsten Mal? Ich hoffe, dass bald wieder eine Fortbildung mit Monika Mayr in meiner Nähe stattfinden wird und werde mit Sicherheit dabei sein.

                                                           Anja B., Johannes Gutenberg Universität Mainz

   
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