Arbeitsgemeinschaft RHYTHMIK für Hessen im

Bericht über das Tagesseminar:

„Sounds & Grooves mit Bleistift & Co.“

(Referent: Martin J. Junker)

Am 31. August 2013 trafen sich ab 10.00 Uhr im großen Saal der Herder-Sprachschule in Darmstadt 32 Pädagoginnen aus unterschiedlichen Bereichen, um von Martin J. Junker, Studienrat an einem südhessischen Gymnasium, musikpädagogische Anregungen zum perkussiven Klassenmusizieren mit Schulutensilien zu erhalten.

Zum Einstieg gab es gleich eine rhythmische Begrüßung mit Stift und Tisch durch den Referenten, die von den Teilnehmerinnen gleich mitgemacht wurde.

Danach erst kam die sprachliche Begrüßung durch den Referenten, in der er erläuterte, dass es bei dem Seminar um Musikpraxis in alltäglicher Klassensituation ging, weswegen alle Teilnehmerinnen auch in typischer Klassenform, wohlgeordnet an Tischen saßen.

In der Musikkultur komme es schon lange vor, dass Alltagsgegenstände zum Musizieren verwendet werden. Man denke, so der Referent, an den Schuhplattler, an die aus Alltagsgegenständen hervorgegangenen Schlaginstrumente (z. B. Cajon oder Steel drum), an den Einsatz von Gegenständen in der Oper als „klingendes Requisit“ auf der Bühne (z. B. Ambosse in Wagners „Rheingold“) oder an die Neue Musik (im Sinne einer Klangerweiterung) und Popmusik (Sampeln von Alltagsgeräuschen). In der Schulmusik hingegen ist diese Art des Musizierens noch recht neu.

Junker beginnt in seiner Unterrichtsarbeit meist mit einer Klangerkundung der Alltagsgegenstände, an deren Beginn die Aufforderung: „Öffne deine Schul-/Tasche oder dein Mäppchen, lege die darin enthaltenen Sachen auf den Tisch und bringe sie zum Klingen!“ stehe. Die Seminarteilnehmerinnen erhielten ebenfalls diesen Impuls und beförderten dann auch gleich Stifte, Scheren, Hefte, Lineale und vieles mehr zu Tage. In einem zweiten Schritt kamen dann neue Aufträge hinzu, z. B. Klänge nachzuspielen oder Klangcharaktere zuzuordnen: Mit welchem Objekt kann kurz gespielt werden, mit welchem können verschiedenste Klänge erzeugt werden? Welcher Gegenstand klingt wie ein traditionelles Schlaginstrument?

Als weitere klangerkundende Spielidee stellte Martin J. Junker das Behauptungsspiel („Beweise das Gegenteil!“) vor, in dem zwei Gruppen gegeneinander antreten und Behauptungen zum Klangcharakter eines Gegenstandes mit der entsprechenden Beweisführung widerlegen müssen (z. B.: „Papier klingt immer leise!“).

Ein weiteres Feld ist das Musizieren mit Münzen und die auditive Wahrnehmung von unterschiedlich klingenden Münzen. Zum Einsatz kamen jeweils eine 1-Cent-Münze, eine 20-Cent-Münze und ein 2-Euro-Stück. Dazu gab es ein auditives Spiel, wobei der Referent den Teilnehmerinnen die bereits bekannten Münzklänge hinter einem Paravent vorspielte und diese die Münzen hörend erkennen mussten. Der Sprechkanon „Mit klingender Münze“ rundete den Einsatz der Münzen als Instrument ab, wobei gerade hier vier unterschiedliche Klangcharaktere und Spielweisen einer Münze sehr gut zum Ausdruck kamen.

Vor der Mittagspause wurden zwei weitere originelle Spielideen vorgestellt: „Morgengymnastik für Stifte“ (eine Call&Call-Aktion mit Vorsprecher/-spieler und Klasse) sowie „Das Mischpult“, in dem mittels Overheadprojektion die jeweilige Spielaktion und Dynamikgestaltung für die Klasse, die in vier Klanggruppen eingeteilt ist (Stifte/Papier/Schere/Lineal), vom Lehrer spontan angezeigt wird und somit eine Live-Komposition entsteht.

Hervorzuheben ist aus der Vielfalt von Spielideen im zweiten Seminarteil ganz besonders das Stück „Olé“, das Martin J. Junker aus einem bekannten Stadionrhythmus entwickelte, der durch verschiedene Papierklänge und Spielaktionen (in einer Art Sinfonie für zwei Gruppen in der Klasse im Wechsel) klanglich variiert wird. Dabei bereitete das Zerreißen und Zusammenknüllen des Papiers bei den Teilnehmerinnen besonderes Vergnügen.

Des Weiteren ist noch das aufführungsgeeignete „Bücherballett“ zu nennen. Dabei geht es um einen synchron auszuführenden „Formationstanz“ mit Buch, den der Referent als Fotopartitur – im Sinne eines Spielens nach einem Notat – komponierte. Dabei erhalten alle Schüler das gleiche Buch (z. B. ausgediente Musikbücher), das nach einer Fotoanweisung im 4/4-Takt präzise gespielt wird. Die Bücher müssen zum Beispiel auf- und zugeschlagen werden, gedreht und auf den Tisch mit Fläche, Ecke oder Kante geschlagen werden. Hierdurch entsteht eine richtige Choreographie, die auch einen optischen Reiz besitzt.

Mit dem Stück: „Buchführung“ stellte Martin J. Junker zum Schluss ein graphisch notiertes Stück für drei Büchergruppen vor, das allen Schülern die Möglichkeit einräumt, ohne Notenkenntnisse nach graphischen Zeichen zu spielen. Obgleich solche eine Notation gewisse Freiheiten in der Ausführung lässt, ist auf das Zusammenspiel in der Gruppe stets zu achten.

Zum Einsatz der Alltagsmaterialien sagte der Referent zum Abschluss, dass ein Vorteil der Objekt-Percussion im schnellen Einsatz der „Instrumente“ liege. Alles ist schnell verfügbar. Jeder kann es spielen und eine Instrumentalerfahrung ist nicht notwendig, weil alle die gleichen Voraussetzungen besitzen.

Für die Schüler stellt das Arbeiten mit Alltagsmaterialien eine große Herausforderung und Motivation dar, wenngleich Martin J. Junker auch dafür warb, die Objekte im Musikunterricht dosiert einzusetzen. Es gehe darum, die Schüler zu einer Wahrnehmungsschärfung aufzufordern und darauf hinzuweisen, dass jedem Ding ein Klang innewohne.

Die Teilnehmerinnen des Seminars nahmen eine Bandbreite von Spielmöglichkeiten mit Alltagsgegenständen mit nach Hause und in ihren Unterricht.

Allen, die noch mehr dazu wissen möchten, sei an dieser Stelle noch das neueste Buch von Martin J. Junker empfohlen: „Perkussives Klassenmusizieren mit Schulutensilien“ (erscheint 2013/14 beim Fidula-Verlag).

 

Martina Wohlfart-Schäfer (Dipl.-Päd.)

   
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